10. November 2009

Workshop für Natur- und Landschaftsführer

Zusammen mit Frau Dr. Gisela Wachinger konzipiere und leite ich im Auftrag der Stuttgarter Umweltakademie des Umweltministeriums Baden-Württenberg einen Workshop für BANU-zertifizierte Natur- und Landschaftsführer: »Kollegiales Coaching – ein Instrument zur Optimierung von Landschaftsführungen«. Erster Durchführungstermin ist Freitag, der 20. November 2009. Ein weiterer Termin ist bereits für Freitag, den 29. April 2010, eingeplant. - Die Tagungskoordination obliegt Frau Dr. Karin Blessing. Weitere Infos auch im Faltblatt der Umweltakademie!

Auszug aus dem Ankündigungstext:
(gw/mh) Natur- und Landschaftsführer arbeiten über weite Strecken alleine. Fachkompetenz, methodische Grundlagen und persönliche Fähigkeiten sind die professionelle Basis für ihre Exkursionen. Unterschiedliche Landschaftsräume, heterogene Zielgruppen oder unvorhergesehene Schwierigkeiten fordern alle Facetten der eigenen Kompetenz. Nach dem Motto »Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein« ist ein ständiges »Feedback« über das Management, die Methodik und die Inhalte eigener Exkursionen erforderlich.

Hier setzt der Workshop an. Durch kollegiales Coaching während einer Hospitation –beratende Begleitung bei einer Führung – soll Hilfestellung zur Optimierung von Exkursionsveranstaltungen geleistet werden und ein Beitrag zur Qualitätssicherung erfolgen. Die kollegiale Beratung bietet den Raum, diese Ziele zu erreichen.

Im Seminar werden Qualitätskriterien und Erfahrungen aus Natur- und Landschaftsführungen reflektiert. Ein Kriterienschlüssel wird eingeführt, der ein Feedback auf folgenden Kompetenzfeldern ermöglicht:
(a) Auswahlkriterien der Lokalitäten, Objekte und Route
(b) Dramaturgie und Didaktik der Führung
(c) Fachkompetenz
(d) Methodik und Vermittlungskompetenz
(e) Präsenz, Präsentation und Stimme
Auf dieser Basis werden Grundlagen und Methoden des kollegialen Coachings vorgestellt und bei Geländeübungen mit Feedback-Gesprächen eingeübt.

Ziel: Natur- und Landschaftsführer, die diesen Workshop besuchen, sollen die Voraussetzungen erwerben, um Kollegen sachkundiges, faires und konfliktfreies Feedback zu deren Führungen geben zu können. Sie sollen dadurch zur Evaluation und Qualitätssicherung der Landschaftsführungen in Baden-Württemberg beitragen.
Veranstaltungsort: 70193 Stuttgart, Akademiehaus, Dillmannstr.3
Teilnehmerkreis: Zertifizierte BANU-Natur- und Landschaftsführer, die zukünftig im Auftrag der Umweltakademie Hospitationen durchführen wollen.
Tagungsleitung: Dr. Karin Blessing, Umweltakademie (Tagungskoordination); Michael Hahl, Projektbüro proreg (Konzeption, Referent); Dr. Gisela Wachinger, pro re, Projektkoordination und Mediation (Konzepion, Referentin)

2. November 2009

Ferdinandsdorf, Galmbach, Rineck

Verschwundene Dörfer im Odenwald

Abendvortrag im Naturpark Neckartal-Odenwald

Im Eberbacher Naturparkzentrum, Kellereistr. 36, referiert der Geograph Michael Hahl am Sonntag, 08. November, ab 19.00 Uhr, in einem Powerpoint-Vortrag über die Siedlungsgeschichte des südlichen Odenwaldes. Im 19. Jahrhundert wurden mehrere Dörfer aufgegeben und etliche Bauern konnten ihr Überleben nur noch in der Amerikaauswanderung oder Umsiedlung in Nachbargemeinden suchen. Die Geschehnisse in den verschwundenen Ortschaften Ferdinandsdorf, Rineck und Galmbach – heute Eduardsthal – werden erläutert.

Anschaulich will der Powerpoint-Vortrag schildern, warum diese Dörfer wüstgefallen sind und wie sich die einzelnen Wüstungsgeschichten voneinander unterscheiden. Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Brennpunkte werden dargestellt, und am Beispiel Ferdinandsdorfs können historische Mensch-Umwelt-Beziehungen mit ihren Wechselwirkungen zwischen Bevölkerungswachstum und Ressourcenverbrauch rekonstruiert werden. Auch was ein gigantischer Vulkanausbruch auf den Sunda-Inseln im Jahr 1815 mit den Armutsjahren im Odenwald zu tun hat, steht im Fokus der Betrachtungen.

Die Spuren der wüstgefallenen Odenwalddörfer zeugen von Menschenschicksalen in schwieriger Zeit: Dem Rückblick auf Ortsauflösung, Umsiedlung und Auswanderung gebührt ein fester Platz in den historischen Annalen des Odenwaldes.

Ort: Naturparkzentrum Eberbach, Kellereistr. 36
Termin: Sonntag, 08. November 2009, 19.00 Uhr
Kosten: 4 Euro
Info: Naturpark-Geschäftsstelle, Tel. 0 62 71/7 29 85 oder
E-Mail: info@naturpark-neckartal-odenwald.de
Referent: Michael Hahl M.A., Geograph, Projektbüro proreg

Nachwort: Mit etwa 45 Zuhörern war der Vortragsraum des Eberbacher Naturparkzentrums bis auf den letzten Platz besetzt. Ich danke allen Besuchern fürs aufmerksame Zuhören!

30. Oktober 2009

Winterhauch - Biografie eines Landstrichs

(bd/mh) „Winterhauch - Biografie eines Landstrichs” lautet der Titel einer Themenwanderung, welche die Volkshochschule Neckar-Odenwald-Kreis in Kooperation mit dem Heimat- und Museumsverein Wagenschwend am Samstag, 31.10.2009, anbietet.

Von Wagenschwend über die Wüstung Ferdinandsdorf zum Mühlenweiler Oberhöllgrund führt die Strecke. Der Geograph und Heimatforscher Michael Hahl beleuchtet vor Ort die Siedlungsgeschichte des Winterhauchs, beispielhaft gegenübergestellt werden die Orte Wagenschwend und das vor 160 Jahren aufgelöste Ferdinandsdorf.

Die Themenwanderung führt vom Dorfmuseum Wagenschwend durch das Naturschutzgebiet Schwannewald und die Braunklinge zu den Ruinen von Unterferdinandsdorf, bergauf wird dann auch das sagenumwobene Felsenhaus besichtigt und ein Kurzabriss über das Räuberwesen im Odenwald vor 200 Jahren gegeben. Ihren Abschluss findet die Exkursion gegen 16.00 Uhr im historischen Gasthaus Holzners Mühle im Oberhöllgrund.

Treffpunkt ist am Samstag, 31.10.2009, um 11:00 am Dorfgemeinschaftshaus in Wagenschwend.

Am darauf folgenden Sonntag, 01.11.2009, bittet die Volkshochschule zur Lesung im Atelier. Die in Mudau-Steinbach lebende Autorin Nele Tabler wird ihren Kriminalroman „Winterhauch”, den ersten Krimi, der im Hohen Odenwald spielt, um 19.00 Uhr im Balsbacher Atelier von Winfried Georg Barber vorstellen.

25. September 2009

Lieblingsplatz Breitenstein

Den Lieblingsplatz gibt es nicht, wir alle haben sicherlich so viele Lieblingsplätze wie wir unterschiedliche Stimmungen haben. Manchmal sitze ich am liebsten am Schreibtisch, manchmal am fließenden Bach, auf einem Bergrücken hoch über dem Neckartal, in den sattgrünen Rheinauen, manchmal aber lieber im Hochgebirge, am brandenden Meer, auf einer stürmischen Nordseeinsel, und manchmal in einem tiefen, verzauberten Talgrund, wo die Zeit langsamer zu vergehen scheint. - Unsere "Lieblingsplätze" lauern überall.

Verwunderlich also, dass die Rhein-Neckar-Zeitung in einer Beitragsreihe auf die Spuren der Lieblingsplätze ihrer Leser ging? Sicher nicht, denn es ist bezeichnend und aufschlussreich, wie sich Menschen mit bestimmten Plätzen und Landstrichen verbunden fühlen. - Einer der ganz besonderen Räume, in denen nicht nur ökologisch und kulturhistorisch, sondern auch landschaftspsychologisch viele Charakteristika naturräumlicher Schönheit zusammentreffen, ist in unserem Land leider gar nicht mehr so häufig zu entdecken: die alte, historisch gewachsene Kulturlandschaft.

Eine solche Kulturlandschaft, ein Lieblingsplatz meiner Seele, ist der Eberbacher Breitenstein. Danke, Stefan Zeeh, für den sehr gelungenen Artikel.

Zum Vergrößern bitte die Bilder anklicken!








































Alte Kulturlandschaft Breitenstein -
Verbissspuren von Weidetieren

Foto: Dr. Stefan Zeeh

Zeitensprung der Ödlandschrecke

Es war Anfang Juli und ich hatte mal wieder eine Exkursion im Steinbruch Nußloch-Baiertal, dem renaturierten und rekultivierten, einstigen Abbauareal von HeidelbergCement. Diesmal sollte es eine ganz besondere Führung werden, denn auch ein Jäger war dabei, einer von jenen Jägern der besonderen Art, die anschauliche Eindrücke, einprägsame Bilder und greifbare Informationen sammeln. Einer, der beispielsweise Blauflügelige Ödlandschrecken erjagt. Sein Name: Tilmann Herget, und er war dabei, einen Artikel für "context", das Magazin von HeidelbergCement, vorzubereiten.

An diesem sonnigen Sommertag schnupperte der junge Journalist also erstmals in den Steinbruch hinein und ließ sich - zusammen mit den
"R(h)einguckern", die an diesem Tag eine Geo-Führung mit mir gebucht hatten - einige der Jahrmillionen alten, steinernen Relikte erläutern. Welche Eindrücke er dabei vorgefunden und in sein Visier genommen hat, können Sie jetzt im neuen "context", diesmal mit Schwerpunktthema "Heidelberg - Stadt mit Profil" nachlesen - anbei finden Sie einen Auszug.

Der Satz, der mir in Tilmann Hergets Artikel über den Lebensraum Steinbruch mit seinen 240 Millionen Jahre alten Muschelkalk-Felswänden am allerbesten gefällt, ist dieser: "Eine Führung gleicht einer Zeitreise, bei der Jahrmillionen so lange dauern wie der Sprung einer blauflügeligen Ödlandschrecke..." - Zwar habe ich niemals deren Sprungzeit gestoppt, aber es stimmt allemal: Jede Reise durch die Erdgeschichte relativiert immer wieder aufs Neue unser allzu begrenztes, menschliches Zeitmaß.

Viel Spaß beim Lesen des Artikels - und zum Vergrößern bitte einfach das Bild anklicken!