23. Oktober 2007

Heiße Spuren: Saurier in Heidelberg

















Odenwaldia heidelbergensis, links der versteinerte Abdruck, rechts der Steinkern; Foto: Lichtenberger

Derzeit gibt es einige sehenswerte Ausstellungen, die sich mit Fossilien, Sauriern oder Frühmenschen beschäftigen: Stuttgart natürlich, und in der Region Buchen oder Mauer. Auch in Heidelberg wurden jetzt sehenswerte Exponate, vorwiegend aus dem Raum Odenwald, fachkundig zusammengestellt. Unter dem Titel "Saurier aus dem Buntsandstein" wartet das Museum des Geologisch-Paläontologischen Institutes der Universität Heidelberg seit Sommer 2007 mit einer neuen Ausstellung auf, konzipiert und umgesetzt von Dr. Marco Lichtenberger, bei der Einrichtung unterstützt von der Kuratorin des Museums Dr. Johanna Kontny. Die Exponate sind durchweg Originalfunde, die teils von der Uni Heidelberg, teils direkt von Marco Lichtenberger gesammelt wurden. Wer den Riesenlurch Odenwaldia heidelbergensis oder die Fährten von Chirotherien also nicht nur als Replik, sondern im Original bestaunen möchte, kann die brandheiße Spur durch die Erdgeschichte bis nach Heidelberg verfolgen. Für alle Saurier-Fans und solche, die es werden wollen: Mehr dazu?!

21. Oktober 2007

Heute vor 100 Jahren: Homo heidelbergensis

"Heute habe ich den Adam gefunden", wusste der Arbeiter Daniel Hartmann am 21. Oktober 1907 zu berichten, als er in einer Sandgrube bei Mauer heute auf den Tag genau vor 100 Jahren den Unterkiefer eines frühmenschlichen Schädels entdeckt hatte. Viele Forschungsjahrzehnte später dürfte dieses Zitat unter Paläoanthropologen eine ähnliche Bekanntheit haben wie das Heureka eines Archimedes von Syrakus unter Philosophen.

Der rund 600 000 Jahre alte Frühmensch Homo heidelbergensis ist weltberühmt geworden, und die wissenschaftliche Bedeutung dieses Schlüsselfundes der Menschheitsgeschichte ist auch nach 100 Jahren ungeschlagen. In Mauer, dem Fundort mit der alten Neckarschlinge, wird er das ganze Jubiläumsjahr - und auch heute am Jubiläumstag - gebührend gefeiert.

Wann der genaue Geburtstag des im Alter von etwa 25 Jahren verstorbenen Mannes ist, wurde nicht bekannt: irgendwann vor 600 000 Jahren. Zum 100-jährigen "Geburtstag" seines sterblichen Überrests - dem Unterkiefer, der Jahrtausende im Erdreich versunken und endlich auf die Erdoberfläche und ans Tageslicht zurückgekehrt war - alle besten Wünsche und Happy "Earthday" to you, homo heidelbergensis!

Die Illustrationen stammen von anderen Webseiten - bitte beachten Sie folgende Seiten:
Animation Quelle und mehr Info
Rekonstruktion Quelle

Buchtipp! WAGNER, G.A., RIEDER, L., ZÖLLER, L., MICK, E. (Herausgeber), 2007, Homo heidelbergensis. Schlüsselfund der Menschheitsgeschichte. Theiss. 368 S.

20. Oktober 2007

Das vergessene Neckartal

Themenwanderung in Kooperation mit dem Naturpark Neckartal-Odenwald am

Sonntag,
21.10.2007

Achtung:
Beginn 10 Uhr!

Treff am Parkplatz Breitenstein, Eberbach - Achtung! Beachten Sie die Umleitung und fahren Sie im Zweifelsfall immer Richtung Hotel-Restaurant Neckarblick, von hier aus die Serpentinenstraße etwas abwärts bis zum Wanderparkplatz Breitenstein

Wie kam der Fluss auf den Berg?
Treffpunkt der herbstlichen Kurzwanderung ist der Parkplatz „Breitenstein“ hoch über der Neckarstadt Eberbach. An herrlichen Fernblicken wird die dynamische Entwicklung des Neckartals verdeutlicht. Und plötzlich – zwischen Trockenmauern und Streuobstwiesen – stehen wir mittendrin: in einem vergessenen, längst abgeschnürten Neckartal. Wir werden das Rätsel lösen, wie der Fluss auf den Bergrücken kam und warum er dort heute nicht mehr fließt.

Treffpunkt: 10 Uhr, Eberbach, Wanderparkplatz „Breitenstein“ (Anreise auch per Zug möglich)
Dauer: 2-3 Stunden
Kosten: Erwachsene 6 Euro; 12-17 Jahre 3 Euro, bis 11 Jahren 1 Euro
Anmeldung/Auskunft: M. Hahl, Tel. 0 62 74/92 92 97 sowie www.geotouren.de / info@proreg.de

8. Oktober 2007

Wo der Freischütz (vielleicht) seinen Teufelspakt schloss...

Die Wolfschlucht bei Zwingenberg

Geologische und naturräumliche Charakterisierung der Schlucht
Im südlichen Odenwald gibt es mehrere Klingen, wie die steilen, schluchtartigen Tälchen in der Region genannt werden. Doch längst nicht alle dieser Täler haben naturräumlich, geologisch und ökologisch so viel zu bieten wie die zwei eindrucksvollsten Klingen des Neckar-Odenwald-Kreises: die Margaretenschlucht bei Neckargerach (durch die seit 2007 der erdgeschichtliche Themenweg „Margaretenschlucht-Pfad“ verläuft) und die Wolfschlucht bei Zwingenberg. Auch im gesamten Naturpark Neckartal-Odenwald und im UNESCO Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, nehmen die beiden Schluchten fraglos eine besondere Stellung unter den geotouristischen Potentialen ein.

Vermächtnis der FlussgeschichteDie Entstehung der zwei Schluchten geht auf die Flussgeschichte des Neckars und somit indirekt auf den Einbruch des Oberrheingrabens zurück. Als sich vor ca. 45 Millionen Jahren die Bruchschollen des Rheingrabens abzusenken begannen, entwickelten sich erstmals westlich fließende Gewässer im sich empor wölbenden Odenwald, Flusssysteme also, die dem neu entstehenden Gefälle am Gebirgswestrand folgten. Vor 30 Millionen Jahren dürfte sich bereits ein „Ur-Neckar“ im Raum Heidelberg gebildet haben. Da der Absenkungsprozess der Rheingrabens und die Odenwald-Heraushebung anhielten, musste sich der Ur-Neckar zunehmend in die Gesteinschichten des Mittelgebirges einsägen; genug Erosionskraft war durch das starke Gefälle zum Vorfluter Rhein vorhanden. Nach und nach konnte der zunächst kleine Ur-Neckar seinen Lauf nun auch verlängern, indem das Quellgebiet immer weiter zurückverlagert wurde; man nennt diesen Prozess rückschreitende Erosion.

Nicht genug Erosionskraft hatten dagegen manche Nebengewässer, die in den Neckar mündeten. Während einige der Nebenflüsschen, wie die Itter zusammen mit dem Reisenbach und dem unteren Lauf des Höllbachs, durchaus mit dem in die Tiefe erodierenden Neckar mithalten und tiefe, breite Kastentäler bilden konnten, sind andere kleine Bäche noch heute dabei, über steile Wasserfallstufen hinweg ihr Tal einzutiefen. Auf diese Weise entstanden die Wolfschlucht und die Margaretenschlucht. Sie sind Zeugen der Flussgeschichte und gehören zum charakteristischen Formenschatz der Neckartal-Geologie.

In der Wolfschlucht hat sich – und das Gleiche gilt für die Margaretenschlucht – ein dynamisches Gleichgewicht eingestellt, wie es die Geomorphologen nennen: Einerseits brechen immer wieder Bereiche des Hanges nach, Geröll und Verwitterungsschutt stürzt in die steile Talsohle, andererseits fließt das Wasser zumindest saisonal bzw. episodisch mit ausreichender Erosionskraft und kann dadurch die Talsohle der Schlucht ausräumen. Wäre die Tiefenerosion hier über längere erdgeschichtliche Zeiträume unterbrochen bzw. stark reduziert, beispielsweise wenn dauerhaft nur noch sehr wenig Wasser durch die Schlucht fließen würde, so könnten im Verlauf erdgeschichtlicher Zeiträume die Sohle allmählich mit Hangschutt aufgefüllt und die Hänge zunehmend abgeflacht werden; das Ergebnis wäre eine weniger schluchtartig ausgebildete Klinge mit sanfteren Talflanken, vergleichbar etwa mit der Eisigklinge im Höllbachtal bei Waldbrunn.

Fenster in die Buntsandstein-Zeit
Die Wolfschlucht verläuft in den rund 250 Millionen Jahre alten Buntsandstein-Schichten, die hier durch Tiefenerosion aufgeschlossen und gut zu beobachten sind; man sieht vor allem die Schichten des Mittleren Buntsandstein, im Übergangsbereich zur Hochfläche auch den Oberen Buntsandstein. Aufgrund der aktiven hangdynamischen Prozesse bleiben die Schluchtwände relativ frei von Vegetation. Die hierdurch offenliegenden Buntsandstein-Aufschlüsse tragen sowohl zum wilden und spektakulären Charakter wie auch zur geologischen Attraktivität der Schlucht bei. Facettenreiche Kleinformen wie Schrägschichtungen und Netzleisten bezeugen die Paläogeographie, zeigen also uralte, längst vergangene und im Gestein versiegelte Spuren einer Flusslandschaft in der Buntsandstein-Zeit.

Ökologische Nische
In dem etwa nach Südwest-West ausgerichteten Taleinschnitt kann sich ein relativ mildes Klima einstellen. Wie in der Margaretenschlucht blieben auch in der Wolfsschlucht die Kennzeichen typischer Hangschluchtwälder erhalten, ergänzt von Moosen, Farnen und Flechten. Neben der Flora findet hier auch die dem Lebensraum angepasste Tierwelt eine wertvolle ökologische Nische, die sich wesentlich vom Naturraum im Neckartal, aber auch von der Hochfläche des Winterhauchs unterscheidet.

Bedeutung für Geo- und Kulturtourismus
Alle bisher genannten Aspekte fließen in die Wertschätzung der Wolfschlucht als herausragendes geotouristisches Potential im südlichen Odenwald mit ein. Bildungs-, Kultur und Wandertourismus dürften hierbei die größten Rollen spielen, selbstverständlich im Rahmen einer nachhaltigen, "sanften" Entwicklung. Zu den geologischen und naturräumlichen Besonderheiten kommt noch ein weiterer Aspekt, der die Schlucht charakterisiert: Durch die Ansiedelung der geschichtsträchtigen Burganlage Schloss Zwingenberg bietet die Wolfschlucht auch kulturhistorisch eine hohe touristische Attraktivität, zusätzlich fokussiert von den alljährlichen Schlossfestspielen. Mit dem Schloss Zwingenberg wird Geschichte lebendig und Burgenromantik zum Programm.

Von besonderer Bedeutung ist fraglos auch das im Rahmen der Schlossfestspiele jährlich wiederkehrende Freischütz-Motiv, das längst – wenn auch historisch nicht einwandfrei nachweisbar – untrennbar mit der Wolfschlucht verbunden ist. Carl Maria von Webers Oper mit ihren magischen Elementen macht die Wolfsschlucht daher zu einem sagenumwobenen Ort mit einer besonderen Atmosphäre, einem zauberhaften Flair, das natürlich auch touristisch inszeniert werden sollte.

Textauszug aus einem Projektangebot: Michael Hahl - proreg, 2007: Landschaftsmarketing Wolfschlucht. Geologisches Erbe und geotouristisches Potential. - Illustration aus www.invisius.de