Christina Kunze M.A.
Im September 2010 hat das Projektbüro proreg Zuwachs bekommen. Für einige engagierte Arbeitsstunden beteiligt sich Christina Kunze M.A. tatkräftig an der gut ausgefüllten Agenda meines Büros. Sie unterstützt mich insbesondere bei den fachlichen Recherchen, die derzeit über interaktive Medien für Besucherzentren durchgeführt werden. – Vorhang auf! Ich möchte den Lesern von proregnews meine gegenwärtige Mitarbeiterin einmal vorstellen…
mh:
Christina, du hast Deutsche Philologie und Politikwissenschaft in Regensburg studiert. Parallel zum Studium hast du eine Menge Praktika absolviert, vor allem im redaktionellen Bereich und als Referentin für Politik und Presse. Auch als stellvertretende Geschäftsführerin des Interessensverbandes freier Berufe und mittelständischer Unternehmen warst du aktiv, und schließlich hast du viele Jahre in Vollzeit als Dramaturgin sowie PR-Referentin beim Stuttgarter Theater der Altstadt gearbeitet. – Dieser berufliche Werdegang liest sich ja wirklich eindrucksvoll. Mit Geo- und Wandertourismus, Landschaftsmarketing oder Umweltbildung, um einige Kompetenzfelder meines Projektbüros zu nennen, hat das nun aber nicht allzu viel zu tun. Wie kamst du denn auf die Idee, bei proreg wegen eines Kurzzeitpraktikums anzufragen? Was interessiert dich besonders an meinen beruflichen Aktivitäten?
Seit meine kleine Tochter auf die Welt gekommen ist, versuchen wir bewusster zu leben, ja, man kann fast schon von einem Gesinnungswandel sprechen. Plötzlich hinterfragt man viel, hinterfragt sich. Vor allem aber habe ich die Elternzeit genutzt, um mich auf mich zu besinnen und etwas ganz Neues zu machen, etwas was schon immer da war, ich aber nicht gesehen habe. Nach dem Motto „entdecke dich selbst“ kam ich per Zufall auf die „Naturpädagogik“, denn die Natur war schon immer ein wichtiger Teil in meinem Leben, zudem bin ich ein engagiertes NABU-Mitglied und ich glaube, wenn man von einer Sache begeistert ist, dann kann man das auch weitergeben, selbst wenn ich mit der „Pädagogik“ an sich Neuland betrete. Demnächst mache ich eine Weiterbildung zur Naturpädagogin und um die anschließende Zertifizierung zu erhalten, ist ein fachbezogenes Praktikum vorgesehen – und jetzt kommt der Bogen zu dir, Michael, denn als ich nach einem Praktikum in der näheren Umgebung von Eberbach gegoogelt habe, bin ich über die Website des Naturparkzentrums Eberbach auf proreg gestoßen. Ich habe mich gefragt, nanu, was ist denn proreg, habe mich auf deiner Internetseite informiert und schließlich eine Praktikumsanfrage gewagt.
"Sich stark machen für die Region"
mh:
Was interessiert dich besonders an meinen beruflichen Aktivitäten?
ck:
Grundsätzlich bin ich fasziniert davon, dass du mit deiner Arbeit immer einen kleinen Teil von dir, ja, irgendwie „verewigst“, sei es zum Beispiel der Eberbacher Pfad der Flussgeschichte. Ich rede hier nicht davon, ein Denkmal zu setzen, sondern, dass dir wichtig ist, die Menschen hinterm Ofen hervor- und in die Landschaft und deren Geschichte zu locken, Umweltbildung im besten Sinne. Vor allen Dingen aber, den Mut zu haben, sich in seiner Region stark zu machen und natürlich die Tatsache, dass du den Menschen hier zeigst, wie schön ihre Heimat ist, man muss mit offenen Augen durchs Leben gehen. Irgendwie interessiert mich alles, was proreg macht, besonders natürlich Geotourismus, Umweltbildung, Naturpädagogik. Tja, proreg macht`s möglich, in Anbetracht deiner Themenvielfalt, kaum zu glauben, dass es sich um ein „one-man-Unternehmen“ handelt…
"Ist Naturpädagogik zukunftfähig?"
mh:
Naturpädagogik hat in den letzten Jahren viel Rückenwind bekommen. Manche sprechen schon etwas kritisch von einer „Eventisierung der Landschaft“. Was wäre aus deiner Sicht – im Jahr 2010 und darüber hinaus – die Hauptaufgabe der Naturpädagogik respektive der Umweltbildung?
ck:
Wow, was für Fragen… und die soll ein absolutes Greenhorn beantworten? Um ehrlich zu sein, habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. „Eventisierung“ klingt aber schrecklich, zumal es doch gar nicht viel braucht, um die Natur zu erleben und sich selbst in der Natur zu erfahren… Bei der Naturpädagogik geht es vor allen Dingen um die Beziehung zwischen Mensch und Natur und welches Anliegen könnte in Anbetracht der globalen Erderwärmung, des Artensterbens etc. wichtiger sein? Es geht vor allen Dingen darum, bewusster zu leben, nachhaltig zu leben und das am besten ganz ohne den erhobenen Zeigefinger. Pestalozzi spricht von einem „ethischen Kompass“, der in uns allen schlummert und eben nur geweckt werden muss – und das ist Aufgabe der Naturpädagogik, die mittels Naturerfahrung persönlichkeitsbildend wirken kann.
mh:
Wo siehst du Chancen? Wo siehst du Schwächen und Grenzen der Umweltbildung? Ist Naturpädagogik „zukunftsfähig“?
ck:
Chancen sehe ich ganz klar in der Zusammenarbeit zwischen Naturpädagogen und Schulen, Kindergärten etc., denn je früher der Grundstein zur Liebe und Verantwortung der Natur gelegt werden kann, desto besser. Wir können die Welt leider nicht verbessern, das ist eine Grenze der Umweltbildung, aber wir können sie wenigstens ein bisschen besser machen oder es zumindest versuchen. Aufklärung ist selbstverständlich auch Teil der Naturpädagogik bzw. Umweltbildung, denn nur wenn man die Komplexität unseres Ökosystems erkennt und versteht, dass alles ein geschlossenes System ist und jede Aktivität Auswirkungen auf uns alle hat, kann man ein Bewusstsein schaffen, ein Bewusstsein für das Ganze! Naturpädagogik könnte ein Schritt sein, mit sich selbst im Reinen zu sein und zumindest in seinem Umfeld, möglichst nachhaltig zu leben – und das ist ja wohl immer zukunftsfähig!
"Was haben Theater und die
Inszenierung touristischer
Erlebniswelten gemeinsam?"
mh:
Du hast sieben Jahre in einem Theater gearbeitet. Mit Tourismus und Landschaft hat Theater nicht wirklich etwas zu tun, oder? Klar, Public Relations wird auf beiden Feldern gebraucht, im Regionalmarketing ebenso wie im Theatermarketing. Aber die Aktivitäten und die Ziele sind doch komplett verschieden, oder etwa doch nicht? Was, glaubst du, hat die Inszenierung auf der Theaterbühne mit der Inszenierung von touristischen Erlebniswelten zu tun? Sind Theater und Tourismus womöglich gar nicht so weit voneinander entfernt?
ck:
Interessante Frage, wirklich. Die ganze Welt ist doch eine Bühne und jeder spielt seine Rolle, der eine besser, der andere schlechter. Manche Stücke sind eben gut inszeniert und manche lassen zu wünschen übrig. - Theater und Tourismus, haben zumindest das „Anfangs-T“ gemeinsam, aber mir fällt noch mehr ein, denn beide entführen ihr Publikum in eine andere Welt und beides kann nur gelingen, wenn etwas zurückkommt, sprich der Dialog zwischen Darstellung und Zuschauer existiert und zwar während der Vorführung und im Anschluss… Aber es stimmt, wenn ich es mir recht überlege gibt es wirklich viele Parallelen. Beides kann drinnen und draußen stattfinden und bei beidem steht (manchmal leider) immer mehr der „Eventcharakter“ im Vordergrund, möglichst viel und möglichst schnell erleben. Dabei ist es viel schöner, gerade in Anbetracht der hektischen, kurzlebigen Zeit, innezuhalten, zu entschleunigen. Zum Beispiel ist es wunderschön, im Wald seinen Lieblingsplatz aufzusuchen, sich hinzusetzen und zu lauschen. Einfach nur dasitzen, nichts machen und vor allem einmal nicht erreichbar zu sein!
mh:
Christina, was möchtest du aus dem Kurzpraktikum bei proreg für deinen weiteren beruflichen Weg gerne mitnehmen? Gretchenfrage: Wie sind deine Pläne für die Zukunft?
ck:
Das klingt jetzt vielleicht etwas frech, aber ehrlich gesagt, wäre mir an einer regelmäßigen Zusammenarbeit mit proreg, nach dem Praktikum, sehr gelegen…
mh:
Danke dir für das Gespräch und – auf gute Zusammenarbeit!
(Foto: Chr. Kunze)
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